Supplements in der Reha – was könnte wirklich sinnvoll sein?
Viele Menschen stellen sich nach einer Verletzung oder Operation die Frage – „kann ich den Verlauf durch Supplements positiv beeinflussen?“
Die Antwort ist ja, wenn man die richtigen wählt und einem bewusst ist, dass es lediglich ein kleiner Faktor ist, den Supplements einnehmen – eine sonst vernünftige Reha bleibt das A und O – helfen, kann es aber!
Der Markt für Supplements wächst seit Jahren rasant und die Versprechen werden immer wilder. Schaut man sich die meisten Supplements mal kritisch an, sieht man, dass die meisten Produkte leider nicht halten, was sie Versprechen. Einige wenige aber, können doch sehr nützlich und effektiv sein.
Wichtig ist aber: Kein Supplement ersetzt eine gute Therapie, Training, Regeneration oder ausgewogene Ernährung. Es sind lediglich Ergänzungen!
1. Protein – die wichtigste Grundlage
Während einer Verletzung oder nach einer Operation bewegt man sich meist deutlich weniger als gewohnt. Dadurch baut der Körper relativ schnell Muskelmasse ab. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Eiweiß, um Muskulatur zu erhalten und den Wiederaufbau zu unterstützen.
Die wissenschaftliche Evidenz ist hier sehr eindeutig: Eine ausreichende Proteinzufuhr gehört zu den wichtigsten Faktoren während einer Rehabilitation.
Dabei geht es allerdings nicht um Proteinpulver an sich. Entscheidend ist vielmehr, dass über die Ernährung insgesamt genügend Eiweiß aufgenommen wird. Proteinpulver können dabei lediglich eine praktische Ergänzung sein, wenn der Bedarf über normale Lebensmittel nur schwer gedeckt werden kann.
Aktuelle Empfehlungen liegen – je nach Verletzung und Trainingsumfang – bei etwa 1,6 bis 2,2 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag.
2. Kreatin – Mehr als nur ein Fitness-Supplement
Viele kennen Kreatin vor allem aus dem Kraftsport. Tatsächlich gehört Kreatin aber zu den am besten untersuchten Nahrungsergänzungsmitteln überhaupt.
Gerade während einer Rehabilitation scheint Kreatin besonders interessant zu sein. Studien zeigen, dass es den Muskelabbau während einer Phase eingeschränkter Belastung reduzieren und den anschließenden Muskelaufbau während des Trainings unterstützen kann.
Besonders sinnvoll erscheint Kreatin beispielsweise nach:
Kreuzbandverletzungen
Knieoperationen
Knochenbrüchen
längeren Phasen mit Teilbelastung oder Ruhigstellung
Empfohlen werden in der Regel 3–5 Gramm Kreatin-Monohydrat täglich.
3. Kollagen und Vitamin C – Besonders interessant für Sehnen und Bänder
In den letzten Jahren wurde viel zur Wirkung von Kollagen bei Sehnen- und Bandverletzungen geforscht.
Die Idee dahinter ist einfach: Kollagen liefert wichtige Bausteine für das Bindegewebe. Werden diese kurz vor einer gezielten Belastung aufgenommen, könnte die Kollagensynthese zusätzlich angeregt werden.
Die bisherige Evidenz ist vielversprechend – besonders bei:
Sehnenverletzungen
Bandverletzungen
Knorpelproblemen
Wichtig ist allerdings: Kollagen allein scheint wenig zu bewirken. Der mögliche Effekt entsteht vermutlich erst durch die Kombination aus Kollagen, Vitamin C und anschließendem Training.
Ein häufig verwendetes Protokoll besteht aus etwa 15 Gramm Kollagen zusammen mit 50–100 mg Vitamin C, etwa 30 bis 60 Minuten vor der Trainingseinheit.
Die Evidenz entwickelt sich aktuell weiter, ist aber noch nicht so eindeutig wie bei Protein oder Kreatin.
4. Vitamin D – Sinnvoll, wenn ein Mangel besteht
Vitamin D wird häufig als Wundermittel dargestellt. So einfach ist es jedoch nicht.
Nach aktuellem Wissensstand profitieren vor allem Menschen, bei denen tatsächlich ein Vitamin-D-Mangel vorliegt.
Ein solcher Mangel wird unter anderem mit einer geringeren Muskelkraft, einer schlechteren Knochengesundheit und möglicherweise einer langsameren Regeneration in Verbindung gebracht.
Eine pauschale Einnahme für alle lässt sich wissenschaftlich derzeit jedoch nicht empfehlen.
Sinnvoller ist es, den Vitamin-D-Spiegel bei Bedarf bestimmen zu lassen und einen bestehenden Mangel gezielt auszugleichen.
5. Omega 3 – Interessant, aber noch keine klare Empfehlung
Omega-3-Fettsäuren werden häufig mit einer besseren Regeneration in Verbindung gebracht.
Theoretisch erscheint das durchaus plausibel, da sie entzündliche Prozesse beeinflussen können. In der Praxis sind die Studienergebnisse bislang jedoch uneinheitlich.
Aktuell lässt sich daher keine allgemeine Empfehlung aussprechen, Omega-3 gezielt zur Beschleunigung einer Rehabilitation einzunehmen.
Wer allerdings wenig oder keinen fettreichen Fisch isst, kann aus allgemeinen gesundheitlichen Gründen durchaus von einer Ergänzung profitieren.
Wenn ich mich heute auf Grundlage der aktuellen wissenschaftlichen Evidenz für fünf Nahrungsergänzungsmittelentscheiden müsste, würde mein Ranking so aussehen:
1. Protein – klare Empfehlung
2. Kreatin – klare Empfehlung
3. Kollagen + Vitamin C – besonders bei Sehnen- und Bandverletzungen sinnvoll
4. Vitamin D – bei nachgewiesenem Mangel
5. Omega-3-Fettsäuren – situationsabhängig sinnvoll
Gleichzeitig sollte man nicht vergessen:
Die größten Einflussfaktoren auf eine erfolgreiche Rehabilitation bleiben weiterhin regelmäßiges Training, ein sinnvoller Belastungsaufbau, ausreichend Schlaf und eine ausgewogene Ernährung.
Nahrungsergänzungsmittel können diese Grundlagen unterstützen – ersetzen können sie sie jedoch nicht.