Warum habe ich morgens Schmerzen unter der Ferse? – Die häufigste Ursache und was wirklich hilft

Wer morgens die ersten Schritte aus dem Bett macht und dabei einen stechenden Schmerz unter der Ferse verspürt, kennt dieses Problem nur zu gut. Nach einigen Minuten Gehen werden die Beschwerden häufig besser, kehren nach längerem Stehen, Spazieren oder Sport jedoch wieder zurück. Hinter diesen typischen Beschwerden steckt häufig eine sogenannte Plantarfasziopathie – früher besser bekannt als Plantarfasziitis.

Doch was genau steckt dahinter? Ist die Faszie wirklich entzündet? Und was hilft nach aktuellem wissenschaftlichem Stand tatsächlich?

Was ist die Plantarfaszie?

Die Plantarfaszie (auch Plantaraponeurose genannt) ist ein kräftiges Band aus kollagenem Bindegewebe, das sich von der Ferse bis zu den Zehen über die gesamte Fußsohle erstreckt. Ihre Aufgabe besteht darin, das Fußgewölbe zu stabilisieren, Kräfte beim Gehen und Laufen zu übertragen und wie eine Feder Energie zu speichern und wieder freizusetzen (Bolgla & Malone, Plantar Fasciitis and the Windlass Mechanism; Cheung et al., Effect of Achilles tendon loading on plantar fascia tension in the standing foot).

Besonders wichtig ist dabei der sogenannte Windlass-Mechanismus. Beim Abrollen des Fußes werden die Zehen nach oben bewegt, wodurch sich die Plantarfaszie spannt. Dadurch richtet sich das Fußgewölbe auf und der Fuß wird stabil, um den Körper effizient vom Boden abzudrücken.

Plantarfasziitis oder Plantarfasziopathie – was ist der Unterschied?

Der Begriff Plantarfasziitis wird heute zwar noch häufig verwendet, ist streng genommen aber nicht ganz korrekt.

Die Endung „-itis“ beschreibt eine Entzündung. Lange ging man davon aus, dass genau diese Entzündung die Ursache der Beschwerden sei. Histologische Untersuchungen zeigen jedoch, dass bei den meisten chronischen Verläufen weniger klassische Entzündungszellen, sondern vielmehr degenerative Veränderungen des Gewebes vorliegen (Buchbinder, Plantar Fasciitis; Goff & Crawford, Diagnosis and Treatment of Plantar Fasciitis).

Deshalb verwenden viele Fachgesellschaften mittlerweile den Begriff Plantarfasziopathie, der die tatsächlichen Veränderungen des Gewebes besser beschreibt.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Entzündungsprozesse überhaupt keine Rolle spielen. Gerade in frühen Phasen können sie durchaus beteiligt sein. Die heutige Sichtweise ist jedoch deutlich differenzierter als früher.

Warum schmerzt die Ferse besonders morgens?

Der sogenannte Anlaufschmerz gehört zu den typischsten Merkmalen einer Plantarfasziopathie.

Während der Nacht befindet sich der Fuß meist in einer leicht abgesenkten Position. Dadurch „verkürzt“ sich die Plantarfaszie geringfügig. Beim ersten Auftreten am Morgen wird sie plötzlich wieder unter Spannung gesetzt. Gleichzeitig ist das Gewebe nach längerer Ruhephase zunächst weniger belastbar. Genau diese Kombination scheint den typischen stechenden Schmerz der ersten Schritte auszulösen (Porter et al., The Effects of Duration and Frequency of Achilles Tendon Stretching on Dorsiflexion and Outcome in Painful Heel Syndrome).

Nach einigen Minuten Gehen nimmt der Schmerz häufig wieder ab, weil sich das Gewebe an die Belastung anpasst.

Wie entsteht eine Plantarfasziopathie?

Die aktuelle Evidenz spricht dafür, dass die Beschwerden meist dann entstehen, wenn die Belastung die Belastbarkeit des Gewebes übersteigt.

Typische Auslöser sind:

  • eine plötzliche Steigerung des Lauf- oder Sportumfangs

  • lange Spaziergänge oder Wanderungen

  • viele Stunden Stehen im Beruf

  • ungewohnte sportliche Belastungen

  • eine schnelle Trainingssteigerung

Die Plantarfasziopathie ähnelt damit vielen anderen Überlastungsproblemen wie Beschwerden der Achillessehne oder der Patellarsehne.

Nicht eine einzelne Bewegung ist das Problem, sondern häufig die Summe der Belastung über einen längeren Zeitraum.

Wer hat ein erhöhtes Risiko?

Die Forschung beschreibt mehrere Faktoren, die mit einer Plantarfasziopathie in Zusammenhang stehen.

Gut belegt sind insbesondere:

  • höheres Körpergewicht (Butterworth et al., The association between body mass index and musculoskeletal foot disorders; van Leeuwen et al., Higher body mass index is associated with plantar fasciopathy)

  • Lauf- und Sprungsportarten (Lopes et al., What are the Main Running-Related Musculoskeletal Injuries?)

  • eine eingeschränkte Beweglichkeit des Sprunggelenks, insbesondere eine reduzierte Dorsalextension (Porter et al.)

Auch verschiedene biomechanische Faktoren wie eine veränderte Fußmechanik werden diskutiert. Die Evidenz hierzu ist jedoch deutlich uneinheitlicher, sodass sich daraus keine pauschalen Aussagen ableiten lassen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

In den meisten Fällen reicht bereits eine gründliche Untersuchung aus.

Typische Hinweise sind:

  • Schmerzen an der Innenseite der Ferse

  • stärkste Beschwerden bei den ersten Schritten am Morgen

  • Schmerzen nach längerem Sitzen oder Liegen

  • Druckschmerz an der Fersenunterseite

  • Schmerzen beim längeren Gehen oder Laufen

Eine Ultraschall- oder MRT-Untersuchung ist meist nur notwendig, wenn die Beschwerden ungewöhnlich verlaufen oder andere Erkrankungen ausgeschlossen werden sollen (McMillan et al., Diagnostic imaging for chronic plantar heel pain).

Was hilft wirklich?

Die wichtigste Erkenntnis der letzten Jahre lautet:

Nicht vollständige Schonung, sondern eine sinnvolle Belastungssteuerung scheint langfristig die größte Rolle zu spielen.

Belastungsmanagement

Zunächst sollte die Belastung so angepasst werden, dass die Beschwerden nicht ständig weiter provoziert werden. Das bedeutet jedoch nicht, sämtliche Aktivität einzustellen.

Stattdessen geht es darum, die Belastung vorübergehend zu reduzieren und anschließend schrittweise wieder zu steigern.

Krafttraining

Immer mehr Studien sprechen dafür, dass gezieltes Krafttraining ein wichtiger Bestandteil der Behandlung sein kann.

Insbesondere die Kräftigung:

  • der Wadenmuskulatur

  • der Fußmuskulatur

  • der gesamten unteren Extremität

scheint die Belastbarkeit der Plantarfaszie langfristig zu verbessern (Huffer et al., Strength training for plantar fasciitis and the intrinsic foot musculature; Rathleff et al.).

Dehnübungen

Auch Dehnübungen für die Wadenmuskulatur und die Plantarfaszie können Beschwerden reduzieren und werden häufig ergänzend eingesetzt (Sweeting et al., The effectiveness of manual stretching in the treatment of plantar heel pain).

Stoßwellentherapie

Bei chronischen Beschwerden kann die Stoßwellentherapie Schmerzen reduzieren und die Funktion verbessern. Die Effekte sind insgesamt moderat, sodass sie vor allem als Ergänzung zu einer aktiven Therapie betrachtet werden sollte (Al-Abbad et al., The effects of shockwave therapy on musculoskeletal conditions based on changes in imaging).

Einlagen und Kortison

Einlagen können insbesondere kurzfristig Beschwerden lindern, gelten jedoch nicht als ursächliche Behandlung (Pfeffer et al., Comparison of Custom and Prefabricated Orthoses in the Initial Treatment of Proximal Plantar Fasciitis).

Kortisoninjektionen können ebenfalls kurzfristig wirksam sein. Langfristig zeigen sie jedoch keinen klaren Vorteil gegenüber anderen konservativen Maßnahmen und bergen zudem Risiken wie eine mögliche Schädigung der Plantarfaszie (Chen et al., Comparative efficacy of corticosteroid injection and non-invasive treatments for plantar fasciitis).

Wie lange dauert die Heilung?

Hier ist Geduld gefragt.

Die meisten Patienten verbessern sich unter einer konsequenten konservativen Behandlung innerhalb von sechs bis zwölf Monaten. Viele berichten bereits deutlich früher über eine spürbare Besserung. Dennoch kann die vollständige Wiederherstellung der Belastbarkeit einige Zeit in Anspruch nehmen (Rhim et al., A Systematic Review of Systematic Reviews on the Epidemiology, Evaluation, and Treatment of Plantar Fasciitis).

Fazit

Schmerzen unter der Ferse entstehen häufig durch eine Plantarfasziopathie – eine Überlastungsreaktion der Plantarfaszie. Anders als früher angenommen, handelt es sich dabei meist nicht um eine klassische Entzündung, sondern um ein Problem der Belastbarkeit des Gewebes.

Die gute Nachricht: In den meisten Fällen lässt sich die Plantarfasziopathie erfolgreich konservativ behandeln. Entscheidend sind dabei nicht vollständige Schonung oder passive Maßnahmen allein, sondern vor allem ein sinnvoll gesteuertes Belastungsmanagement, gezieltes Krafttraining und ausreichend Geduld. Ziel ist es, die Belastbarkeit der Plantarfaszie Schritt für Schritt wieder aufzubauen, damit der Fuß langfristig den Anforderungen des Alltags und des Sports wieder problemlos standhalten kann.

Quellen

  • Buchbinder R. – Plantar Fasciitis

  • Rhim H.C. et al. – A Systematic Review of Systematic Reviews on the Epidemiology, Evaluation, and Treatment of Plantar Fasciitis

  • Huffer D. et al. – Strength training for plantar fasciitis and the intrinsic foot musculature: A systematic review

  • Al-Abbad H. et al. – The effects of shockwave therapy on musculoskeletal conditions based on changes in imaging

  • Sweeting D. et al. – The effectiveness of manual stretching in the treatment of plantar heel pain

  • Butterworth P.A. et al. – The association between body mass index and musculoskeletal foot disorders

  • van Leeuwen K.D.B. et al. – Higher body mass index is associated with plantar fasciopathy/'plantar fasciitis'

  • McMillan A.M. et al. – Diagnostic imaging for chronic plantar heel pain: a systematic review and meta-analysis

  • Chen C.M. et al. – Comparative efficacy of corticosteroid injection and non-invasive treatments for plantar fasciitis

  • Bolgla L., Malone T. – Plantar Fasciitis and the Windlass Mechanism: A Biomechanical Link to Clinical Practice

  • Cheung J.T.M. et al. – Effect of Achilles tendon loading on plantar fascia tension in the standing foot

Zurück
Zurück

Tennisarm – Warum eine Entzündung meist gar nicht das eigentliche Problem ist

Weiter
Weiter

Supplements in der Reha – was könnte wirklich sinnvoll sein?