Tennisarm – Warum eine Entzündung meist gar nicht das eigentliche Problem ist

Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens werden häufig als Tennisarm bezeichnet. Der Name ist allerdings etwas irreführend, denn tatsächlich sind Tennisspielerinnen und Tennisspieler gar nicht häufiger betroffen als viele andere Menschen.

Die meisten entwickeln diese Beschwerden vielmehr im Alltag oder Berufsleben – zum Beispiel durch wiederholtes Greifen, Heben, Schrauben, Tragen oder andere einseitige Belastungen.

Doch was passiert hier eigentlich? Und warum ist eine Entzündung meistens gar nicht das eigentliche Problem?

Ist ein Tennisarm überhaupt eine Entzündung?

Früher ging man davon aus, dass es sich beim Tennisarm um eine klassische Entzündung der Strecksehnen des Handgelenks handelt. Deshalb wird häufig noch der Begriff Epicondylitis verwendet – die Endung -itis bedeutet in der Medizin schließlich Entzündung.

Die aktuelle Forschung zeichnet heute jedoch ein anderes Bild.

Bei den meisten chronischen Beschwerden finden sich kaum typische Entzündungszeichen. Stattdessen zeigen sich Veränderungen der Gewebestruktur. Dazu gehören unter anderem:

·       eine Umorganisation der Kollagenfasern,

·       Gefäßneubildungen,

·       eine erhöhte Zellaktivität.

Diese sogenannten degenerativen Veränderungen bedeuten jedoch nicht, dass die Sehne „verschlissen“ oder kaputt ist. Vielmehr handelt es sich um Anpassungen des Gewebes, die entstehen können, wenn die Belastung über einen längeren Zeitraum höher ist als die Belastbarkeit der Sehne.

Aus diesem Grund spricht man heute häufig nicht mehr von einer lateralen Epicondylitis, sondern von einer lateralen Epicondylopathie oder Tendinopathie.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Entzündungen überhaupt keine Rolle spielen. Gerade in frühen Phasen können entzündliche Prozesse durchaus beteiligt sein. Langfristig scheint das eigentliche Problem jedoch eher in einer verminderten Belastbarkeit der Sehne zu liegen.

Mit anderen Worten: Nicht jede Belastung ist schlecht – im Gegenteil. Eine angemessene Belastung ist sogar notwendig, damit sich die Sehne wieder anpassen und belastbarer werden kann.

Wie entsteht ein Tennisarm?

Nach heutigem wissenschaftlichem Stand entsteht ein Tennisarm meist dann, wenn die Belastung der Sehne über längere Zeit höher ist als ihre Belastbarkeit.

Typische Auslöser können beispielsweise sein:

·       ungewohnte körperliche Arbeit,

·       häufiges Greifen,

·       Schrauben oder Hämmern,

·       Tätigkeiten mit vielen wiederholten Hand- und Unterarmbewegungen, beispielsweise längeres Arbeiten mit der Computermaus,

·       Schlägersportarten.

Interessanterweise entwickeln die meisten Betroffenen ihren Tennisarm nicht beim Tennis, sondern im Alltag oder Beruf.

Was hilft wirklich?

Die gute Nachricht ist: Die Prognose eines Tennisarms ist insgesamt sehr gut. Viele Betroffene berichten innerhalb von sechs bis zwölf Monaten über eine deutliche Besserung – häufig sogar ohne Operation.

Das bedeutet allerdings nicht, dass man einfach nur abwarten sollte.

Die aktuelle Evidenz zeigt, dass vor allem ein gezieltes Belastungsmanagement und ein schrittweiser Belastungsaufbau den Heilungsverlauf sinnvoll unterstützen können.

Belastungsmanagement statt kompletter Schonung

Das Wichtigste ist, die auslösende Belastung zunächst etwas zu reduzieren, ohne den Arm vollständig ruhigzustellen.

Eine komplette Schonung führt häufig eher dazu, dass die Belastbarkeit der Sehne weiter abnimmt.

Stattdessen sollte die Belastung so angepasst werden, dass die Sehne zwar gefordert, aber nicht dauerhaft überfordert wird.

Krafttraining

Gezielte Kraftübungen gehören heute zu den wichtigsten Bestandteilen der Behandlung.

Durch langsam gesteigertes Training kann sich die Sehne wieder an Belastung anpassen und langfristig belastbarer werden.

Dabei geht es nicht darum, möglichst schnell hohe Gewichte zu bewegen, sondern die Belastung kontrolliert und schrittweise zu steigern.

Spritzen und Operationen

Kortisonspritzen können die Schmerzen kurzfristig häufig deutlich lindern.

Langfristig zeigen sie jedoch keinen Vorteil gegenüber einer aktiven Therapie. Einige Studien deuten sogar darauf hin, dass die Rückfallrate nach Kortison höher sein kann als bei einem strukturierten Trainingsprogramm.

Auch Operationen bringen bei den meisten Betroffenen langfristig keinen besseren Erfolg als eine konsequente konservative Behandlung und werden daher meist erst dann in Betracht gezogen, wenn Beschwerden trotz mehrmonatiger Therapie bestehen bleiben.

Tape und Bandagen

Tapeanlagen oder Bandagen können im Einzelfall sinnvoll sein.

Sie können Schmerzen kurzfristig lindern oder bestimmte Bewegungen angenehmer machen.

Einen eindeutigen langfristigen Vorteil gegenüber anderen konservativen Maßnahmen konnte die Forschung bisher jedoch nicht nachweisen. Deshalb sollten sie eher als unterstützende Maßnahme und nicht als eigentliche Therapie verstanden werden.

Fazit: Wie solltest du mit einem Tennisarm umgehen?

Auch wenn die Beschwerden häufig hartnäckig sein können, ist die Prognose insgesamt sehr gut.

Die wichtigste Erkenntnis der letzten Jahre lautet: Ein Tennisarm ist meist keine klassische Entzündung, sondern vielmehr eine Überlastungsreaktion der Sehne. Ziel der Behandlung ist deshalb nicht, die Sehne möglichst lange zu schonen, sondern ihre Belastbarkeit Schritt für Schritt wieder aufzubauen.

Mit einer gezielten physiotherapeutischen Behandlung, einem sinnvollen Belastungsmanagement und regelmäßigem Krafttraining lässt sich der natürliche Heilungsverlauf häufig positiv beeinflussen.

Geduld spielt dabei eine wichtige Rolle – denn Sehnen benötigen Zeit, um sich an neue Belastungen anzupassen. Wer aktiv bleibt und die Belastung sinnvoll steuert, hat jedoch in den meisten Fällen sehr gute Chancen, wieder schmerzfrei in Alltag, Beruf und Sport zurückzukehren.

Quellen

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·       Coombes BK, Bisset L, Brooks P, Khan A, Vicenzino B. Effect of Corticosteroid Injection, Physiotherapy, or Both on Clinical Outcomes in Patients With Unilateral Lateral Epicondylalgia.

·       Ikonen J, Lähdeoja T, Ardern CL, et al. Persistent Tennis Elbow Symptoms Have Little Prognostic Value: A Systematic Review and Meta-analysis.

·       Karanasios S, Korakakis V, Whiteley R, et al. Exercise interventions in lateral elbow tendinopathy have better outcomes than passive interventions, but the effects are small.

·       Yoon SY, Kim YW, Shin IS, et al. The Beneficial Effects of Eccentric Exercise in the Management of Lateral Elbow Tendinopathy.

·       George CE, Heales LJ, Stanton R, et al. Sticking to the facts: A systematic review of the effects of therapeutic tape in lateral epicondylalgia.

·       Ma KL, Wang HQ. Management of Lateral Epicondylitis: A Narrative Literature Review.

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