Rückenschmerz verstehen – wie ist der aktuelle Stand der Wissenschaft?
Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen weltweit – und trotzdem gibt es noch immer sehr viele falsche oder überholte Annahmen darüber.
In diesem Beitrag, versuche ich einen Überblick darüber zu geben, wie der aktuelle Stand der Wissenschaft zur Entstehung, darüber welche Faktoren eine Rolle spielen und was helfen kann ist.
Verbreitung von Rückenschmerzen:
Rückenschmerzen sind kein Randphänomen, sondern ein globales Gesundheitsproblem. Studien zeigen:
- Bis zu 80% der Menschen erleben im Laufe ihres Lebens Rückenschmerzen
- Sie zählen zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit
- Auch Sportler sind betroffen – teils sogar mit ähnlich hoher Prävalenz
Meistens handelt es sich dabei um sogenannte unspezifische Rückenschmerzen, also Rückenschmerzen ohne eine eindeutig identifizierbare strukturelle Ursache.
Wichtige Überraschung: Struktur ≠ Schmerz
Ein entscheidender Punkt aus der Forschung deckt auf, dass Bildgebende Verfahren wie MRT oder Röntgen zwar oft Veränderungen zeigen – diese aber fast genauso oft bei schmerzfreien Menschen zu sehen sind. Darau lässt sich also schließen:
- Bandscheibenvorfälle, Degenerationen oder Abnutzungen kommen häufiger vor als wir denken
- Diese Veränderungen der Struktur sind aber nicht automatisch auch die Verursacher von Schmerzen
- Viele Menschen haben „auffällige“ Befunde ohne dabei Beschwerden zu haben
ð Daraus lässt sich also schon mal ableiten, dass Schmerz deutlich komplexer ist, als Ihn auf eine rein Strukturelle Veränderung zu schieben
Aber was verursacht denn jetzt Rückenschmerzen?
Die Forschung gibt gute Hinweise darauf, dass Rückenschmerzen aufgrund von mehrerer zusammenspielender Ursachen entstehen – wir nennen das „multifaktoriell“
1. Biologische Faktoren
a. Muskelspannung und -koordination
b. Belastung und Bewegungsmuster
c. Allgemeine Körperliche Fitness
2. Psychologische Faktoren
a. Stress
b. Angst (vor allem, die Angst vor der Bewegung)
c. Negative Schmerzerwartung
3. Soziale Faktoren
a. Arbeitsbedingungen
b. Bewegungsmangel im Alltag
c. Lebenstil (Rauchen, Übergewicht etc.)
> Rückenschmerzen sind also ein sogenannte biopsychosoziales Phänomen und eben nicht nur ein rein mechanisches Problem
Einer der wichtigsten Erkenntnisse der Forschung der letzten Jahre:
> Es gibt keinen klaren Zusammenhang zwischen der Körperhaltung und Rückenschmerzen
Das bedeutet also das es auch nicht damit getan ist, einfach „grader zu sitzen“, aber auch, dass es nicht die „perfekte“ Sitzposition gibt – Das Problem beim Sitzen, grade wenn man es sehr lange macht, ist also eher die fehlende Bewegung des Körpers und das lange verharren in einer Position, dabei ist es aber egal, welche Position es ist.
Bewegung ist der wichtigste Faktor!
Und das ist auch der Punkt, an dem du selber arbeiten kannst.
Denn Studien zeigen eindeutig, dass regelmäßige Bewegung das Risiko für Rückenschmerzen schon mal deutlich reduziert und Bewegung und Sport wesentlich wirksamer sind, also die meisten „passiven“ Behandlungen
Am Effektivsten scheinen dabei
- Krafttraining
- Allgemeine körperliche Aktivität
- Abwechslungsreise Bewegung
Zu sein
Aber auch kleinere Maßnahmen können schon helfen:
- Im Alltag häufiger mal die Position wechseln - „die beste Sitzposition ist die nächste“
- Aktive Pausen bei sitzender Tätigkeit
- Weniger Vermeidung von Bewegung und mehr Vertrauen in Bewegung
Was bringt weniger als Gedacht?
In vielen Fällen werden Dinge wie:
- Bildgebung, also bspw. MRT und Röntgen
- Passive Therapien wie Massage
- Oder die Suche nach „der einen“ Ursache
Leider völlig überschätzt
Im System betrachtet, führt mehr Diagnostik interessanterweise häufig sogar zum gegenteiligen Ergebnis, nämlich mehr Kosten und längerer Ausfallzeiten.
Das liegt wahrscheinlich daran, dass wenn wir die ganze Zeit nur nach einer Ursache suchen, Punkte wie Angst und Vermeidungsverhalten des Patienten mit der Zeit deutlich zunehmen. Denn eine betroffene Person, welche nicht weiß was sie hat und keiner Ihr sagt, was Sie tun soll, bekommt verständlicherweise mehr Angst vor Ihren Schmerzen und vermeidet dadurch mehr Bewegung.
Was kann helfen?
Die aktuell Wirksamsten Strategie besteht wohl darin
- Sich regelmäßig zu Bewegen
- Eine aktivere Lebensweise zu führen
- Sein Stresslevel zu kontrollieren
- Rauchen und Übergewicht zu vermeiden
Fazit:
Rückenschmerzen sind:
- Viel häufiger als wir annehmen
- Viel weniger Problematisch als wir annehmen
- Selten eindeutig zu erklären
- Sehr stark vom eigenen Lebensstil und Verhalten beeinflussbar
Das wichtigste Fazit zum Schluss:
Dein Rücken ist grundsätzlich belastbar und stabil und Bewegung stellt kein Risiko dar, sondern ist Teil der Lösung.
Solltest du dich unsicher fühlen oder ein ungutes Gefühl bei deinen Rückenschmerzen haben, macht es natürlich total Sinn das Ganze auch vorher mit einem Fachmenschen zu sprechen, welcher dein individuelles Problem bewertet und dir dann sagen kann, was du tun sollst.